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Vor 70 Jahren startete die „Schwabenland“ Richtung Antarktis, um das südlichste Gebiet der Erde zu besetzen. Die Expedition bietet bis heute Stoff für Legenden. Eine besagt gar, Hitler hätte dort nach dem Krieg Zuflucht gesucht. Oder: Mit „Reichsflugscheiben“ hätte er sich auf den „sicheren Endsieg“ vorbereitet.
Kapitän Alfred Ritscher hatte vieles vor, als er vor fast genau 70 Jahren mit seinem Motorschiff „Schwabenland“ und 82 Mann Besatzung vom Hamburger Hafen ablegte, Richtung Südpol. Eine wissenschaftliche Expedition sollte es werden, er hatte den Befehl, die Position der deutschen Walfangflotte vor der Antarktis zu stärken sowie einen Teil von ihr mit Hakenkreuzfahnen für das Reich zu annektieren. Auch sollte er strategische Erkundungen anstellen über Inseln im Südatlantik, ob sie als Stützpunkte dienen könnten für deutsche U-Boote. Es war Ende 1938, Deutschland lag auf Kriegskurs und Ritscher war im Auftrag von Hitlers Beauftragtem für den Vierjahresplan, Hermann Göring, unterwegs.

Eines aber konnten Ritscher und seine Männer nicht ahnen: Dass die Expedition der „Schwabenland“ nach dem Krieg, als Deutschland in Trümmern lag, Kulisse werden sollte für die bizarrsten Legenden, Gerüchte, Gespenstergeschichten aus jener Zeit, die sich noch viele Jahrzehnte halten sollten: Dass Hitler noch lebe, dass er sich mit einer Truppe ausgewählter Elite-Nazis in der Antarktis auf den sicheren Endsieg vorbereite. Mit „Reichsflugscheiben“ (Ufos) zum Beispiel. Aber auch mit Gewehren, die um die Ecke schießen konnten. Martin Bormann soll dabei gewesen sein, klar, er galt ja als vermisst und war Hitlers Privatsekretär. Auch Eva Braun, die Ehefrau, war mit von der Partie. In einem Versteck in weit verzweigten Tunnelsystemen im antarktischen „Neuschwabenland“, geschützt durch das ewige Eis.
21 Seiten langer Aufsatz
Abwegig, damals wie heute, keine Frage. Doch noch in unseren Tagen erhält, wer die Internet-Suchmaschine Google mit der Kombination „Hitler“ und „Antarktis“ füttert, je nach genauer Wortwahl Hunderttausende bis über eine Million Hinweise auf Texte, Chats und Blogs. Vielfach mehr auf Englisch als auf Deutsch. Auch in Berlin etwa trifft sich laut Zeitungsberichten alle zwei Wochen ein „Neuschwabenland“-Kreis, in dem gegen die Hochfinanz gewettert, und die Hoffnung wachgehalten wird, dass Reichsflugscheiben und wackere Landsleute am Südpol schon alles richten würden.
Wie virulent und verbreitet vor allem im angelsächsischen Raum die Geisterdebatte noch immer ist, mag man daran ablesen, dass erst vor einem Jahr in der angesehenen Wissenschaftszeitschrift „Polar Record“ aus dem englischen Cambridge ein mit 21 Seiten außergewöhnlich langer wissenschaftlicher Aufsatz erschien („Hitler’s Antarctic base: the myth and the reality“), dessen Autor, der Meeresforscher Colin Summerhayes, es für angebracht hielt, die Legenden Stück für Stück zu zerpflücken.
Dass in dem englischen Titel nicht nur von Mythos, sondern auch von Realität die Rede ist, mutet zunächst befremdlich an. Und doch gibt es Tatbestände, an denen all die Buchautoren aus der rechten bis zur neo- und kryptonazistischen Szene, ihre Leser abholen, um sie in ihr Spukhaus zu locken.
Dazu zählt Ritschers Antarktisfahrt. Am 17. Dezember stach die „Schwabenland“ in See. Nach außen hin versah man sie mit dem Etikett der Dritten deutschen Forschungsexpedition. Die Vorläufer wie Eduard Dallmann, der im Jahre 1866 als erste auf Wrangel-Land gelandet war, sowie Wilhelm Filchner, der 1911/12 – dem Jahr, als Amundsen als erster den Pol erreichte – weite Strecken des antarktischen Festlandes kartografierte, zählten in den großen Jahrzehnten der deutschen Wissenschaft zu den Pionieren in dieser Weltengegend.
1938 sorgte sich Auftraggeber Göring indes weniger um die deutsche Grundlagenforschung als um die Rohstoffversorgung im Kriegsfall. Dabei spielte der Walfang eine nicht unbedeutende Rolle. Immerhin fünfzig Fangschiffe gingen damals für Führer und Reich auf Jagd im Südmeer. Öl, Schmierstoffe, Margarine und nicht zuletzt Glyzerin zur Herstellung von Sprengstoff hatten sie beizubringen für die grundstoffarme Heimat. Dafür sollte Ritscher Land gewinnen in der noch herrenlosen Antarktis, damit der Walfang quasi vor deutschem Grund und Boden stattfinden könnte und nicht – wie im Gebiet der vielen britischen Inseln des Südatlantiks – hohe Gebühren an London zu entrichten wären….

Vollständiger Bericht hier—> http://m.welt.de/kultur/history/article2834129/Als-Hitlers-Hakenkreuzfahne-am-Suedpol-wehte.html

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